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Montag, 11. März 2013

Mein Tatortwissen


Tatort. Das ist eine deutsche Institution. Das ist wie die Tagesschau, das wird geguckt. Tatort gab es schon immer und Tatort wird es ewig geben.
Das hört sich ein bisschen so an wie der Stoff aus dem Religionen sind. Ich frage mich jetzt unweigerlich: Wann war der erste Tatort? War der vor oder nach der Erfindung des Fernsehens? War der in Stein gemeißelt oder auf Papyrus geschrieben? Und: War der mit Schimanski?
Tatort, das ist für mich Halbwissen. Ich weiß nicht viel darüber, außer dass das meine Eltern oft geschaut haben. Das kam aus "dem Westen". Bei uns gab es dafür Polizeiruf 110 und das gibt es heute auch noch, wohl irgendwie abwechselnd. Ich habe mich immer gefragt, wie man das ausspricht. "Polizeiruf einseinsnull" oder "Polizeiruf hundertzehn"?
Tatort hatte für mich immer etwas altbackenes an sich. Etwas schwer zu beschreibendes, ja etwas, das für eine andere Generation gemacht ist. Mittlerweile gibt es doch Thrillerüberschuss aus allen Ländern, da muss man doch keinen Tatort mehr gucken, war meine Divise. Dann habe ich vor ein paar Jahren beobachtet, dass doch mehr Leute in meinem Umfeld Tatort gucken als gedacht. Ja da wird sich sogar in Kneipen zum Public Viewing getroffen! Ist das wieder so ein Hipster-Ding, das irgendwie ironisch sein soll bis man gar nicht merkt, dass das, über das man sich doch eigentlich lächerlich machen wollte, einem auf einmal gefällt? Quasi ein sonntaglicher Oberlippenbart um 20:15 Uhr?
Tatort... irgendwie faszinierend, trotzdem nur Halbwissen meinerseits. In vielen Städten wird ermittelt, hier sind die Ermittler gut, das musst du sehen, da ist's irgendwie komisch, weil man die Leute nicht versteht. Am Ende wird dann in den sozialen Netzwerken darüber hergezogen.

Tatort habe ich bis heute zweimal gesehen. Im ersten ging es darum, dass eine Ziege Haarproben gefressen hat und die irgendwie wieder aus der Ziege geholt werden mussten. Fand ich ganz witzig. Der zweite war gestern.
Tatort mit Til Schweiger, das ist auch an mir nicht vorbei gegangen. Vorher noch einen kurzen Blick auf das Bullshit-Bingo von Lorenz Meyer geworfen und schon ging es los. Der erste Satz war schon ein Volltreffer ("Fuck!") und leitete eine unterhaltsame, für meinen Geschmack etwas trashige Episode ein. Es gab Geballer, einen Schlag mit der Bratpfanne, kaputte Eier und eine spektakuläre Verfolgungsjagd (Mann verfolgt Auto, Auto verliert). Ich bin kein Tatort-Experte und kenne nicht das Große Ganze, deshalb kann ich diese Folge nur schwer einschätzen. Ich fand auch Til Schweiger als John McClane ganz gut, muss ich gestehen, wobei mir gerade zum Schluss ein Song von One Republic gefehlt hat. Ich freue mich schon auf das Lesen der Kritiken, zu dem ich bis jetzt noch nicht gekommen bin. Ich frage mich, was alte Tatorthasen dazu zu sagen haben. Ist eigentlich ein Remake mit Liam Neeson geplant?



Samstag, 13. Oktober 2012

Das Gegenteil von Betriebsblindheit

Es war einmal - Einschub: Wir befinden uns im Jubiläumsjahr der Brüder Grimm, denn vor 200 Jahren erschien ihre Märchensammlung zum ersten Mal. So kreative Juristen sah man seitdem selten - , da saß ich als Kind auf einem Möbel und starrte auf die Gardine. Lange, ja für Kindermaßstäbe sogar sehr lange, bis sich etwas schier unglaubliches tat. Die Gardine fing an zu flimmern, ich sah buchstäblich Sterne. Alles, bis auf die Gardine, wurde schwarz. So, als würde man die Augen schließen, also nicht richtig schwarz, sondern so buntschwarz, ja science-fiction-schwarz, so wie man sich einen Weltallstrudel vorstellt.
Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass auch die langweiligsten Dinge (Was ist langweiliger als eine Gardine?) aus der ein oder anderen Perspektive doch interessant sein können.

Das erinnert mich an solche Bilder aus meiner Kindheit, auf denen zunächst nur massenweise Blumen oder Herzen oder so zu sehen sind. Die, die man an die Nase halten und dann langsam immer weiter wegziehen muss, wobei man sich dann immer auf einen Punkt konzentrieren soll und wo dann ein 3D-Bild von einem Nilpferd oder was weiß ich entsteht. Ich weiß es wirklich nicht, den bei mir hat das nie geklappt. Außerdem gab es 3D ja auch noch gar nicht. Das ist ja erst vor kurzem von Hollywood erfunden worden.
Ich habe diese Bilder jedenfalls immer für Humbug gehalten. So wie Platten von Queen, die sich beim rückwärts Abspielen wie Heino vorwärts anhören oder so. Meine Erinnerung an das Gardinenerlebnis lässt mich nun zweifeln, ob an den Bildern nicht vielleicht doch was dran war.

Wenn man zu lange auf etwas starrt, kann es also passieren, dass sich dieses Etwas durch das bloße Anstarren verändert, siehe auch Betriebsblindheit, die. Obwohl, nein, da ändert sich ja gerade gar nichts bei zu langer Beschäftigung mit einer Sache, also vergessen wir das ganz schnell.
Ich sitze beruflich an einer deutschen Vokabelliste mit 600 Wörtern und dazugehörigen Beispielsätzen. Das war eher so Fummelarbeit, was ich ab und an ganz gerne mache, und Lernende, die diese Wörter verstehen müssen haben es da eh schwerer als ich. Trotzdem beschäftigte ich mich damit viel zu lange und erste Gardinenerscheinungen traten ein.

Die Sätze zu den Vokabeln, erschienen einen Sinn zu ergeben. Ich war verschlüsselten Geheimbotschaften auf der Spur. Die vielen kleinen Teile ergaben bei längerer Betrachtung eine eigene Geschichte. Hier die Originalsätze, die in folgender Reihenfolge ein Eigenleben entwickelten:
Ab morgen muss ich arbeiten.
Ich bin oft im Büro, aber nur für wenige Stunden.
Das ist eine schwere Arbeit.
Meine Frau ist gestern gestorben.
Sie können mir glauben, es ist so.
Ist Post da?
Da ist ein Brief für dich ohne Absender.
Können Sie mir seine Adresse sagen?
Er antwortet nicht.
Können Sie mir eine Auskunft geben?
Er gibt leider keine Antwort.
Ich muss meine Schlüssel abgeben.
Was machst du heute Abend?
Darf ich dich besuchen?
Wir treffen uns am Bahnhof.
Vor der Abfahrt rufe ich an.
Ich muss mich noch anziehen.
Heute regnet es.
Hier regnet es viel.
Ich nehme die nächste Bahn.
Ich komme bald.
Zum Bahnhof ist es nicht weit.
Wir haben ein Apartment gemietet.
Wo macht man hier das Licht an?
In unserer Straße gibt es ein neues Lokal.
Hast du etwas zu trinken? Ich habe großen Durst.
Ich nehme ein Bier. Willst du auch eins?
Welchen Wein können Sie mir empfehlen?
Noch ein Bier bitte.
Möchtest du etwas trinken?
Bitte noch ein Glas Wein!
Dieser Wein riecht gut.
Eine Flasche Bier, bitte.
Es ist schon spät, ich muss gehen.
Ich bin müde. Ich gehe schlafen.
Heute Nacht war das Licht an.
Kannst du mir das erklären?
Mach bitte das Licht aus!
Sie ist böse auf mich.
Das Licht ist aus.
Mir ist schlecht!
Mein Arm tut weh.
Mein rechtes Bein tut weh.
Seit gestern tut mir der Bauch weh.
Ich muss zum Arzt gehen.
Morgen habe ich einen Termin bei meiner Ärztin.
Leider kann ich nicht kommen. Ich muss zum Arzt.
Ich gehe jetzt nach Hause.
Die Sonne scheint.
Wir müssen den Schlüssel finden.
Da hinten ist er ja.
Das ist der Schlüssel für die Haustür.
Ich habe die Schlüssel in der Tasche.
Das ist doch schön, nicht?
Das kann doch kein Zufall sein! Das ist erstklassiger Stoff für einen Film Noir! Ich werde mir die Rechte sichern und vielleicht wird ja ein Film Film draus. Die Vokabelliste bzw. das Drehbuch gibt es hier beim Goethe-Institut als PDF.

Die Fummelarbeit hat sich für mich also gelohnt. Auch wenn das hier alles Nonsense ist, hab ich mich dadurch an schöne Bilder und Gardinenflimmereien erinnern können. Ich habe mal gehört, dass der Alltag die spannendsten Geschichten schreiben soll. Das will ich nicht bestätigen, aber ich glaube, ich bin dem Kern dieser Aussage ein Stückchen näher gekommen.



Donnerstag, 16. August 2012

Zurück in LE

Urlaub in Leipzig... Urlaub. In Leipzig. Leipzig. Urlaub. Ja da ist er, mein erster Urlaub. Die Probezeit in München ist vorbei, das heißt man darf nach drei Monaten offiziell auch mal kurz raus. Und was liegt da näher, als in die Stadt zu fahren, in die ich 2004 gezogen bin und die mich acht Jahre gehalten hat? (Die Berge vielleicht, aber die gehen ja so schnell nicht weg.) Acht Jahre sind für mich eine lange Zeit, also was man da alles schafft, anzufangen und nicht zu beenden, das ist schon einiges. Da studiert man dann, sitzt im Hörsaalgebäude, draußen wird gebohrt, abgerissen und wieder aufgebaut und ehe man sich's versieht, kann man in der Mensa auf einmal mehr als zwei Gerichte essen (und auch länger als sieben Interimsminuten dafür einplanen) und eine Kirche steht neben einem, in der Mathematik gelehrt werden soll. Verrückt. 
Andere an meiner Stelle würden vielleicht sagen, sie seien in "ihre Stadt" zurückgekehrt, das Thema hatten wir schon mit der lieben Heimat.  Freunde besuchen ist, was mich herzieht und weniger die Höfe am Brühl ("Guck mal, wie weit die schon sind!"), obwohl mich ja schon interessiert, was nach dem ganzen Hickhack um die alte Fassade davon später noch zu sehen ist. Auch die "Und ist's in München? Teuer, wa?"-Fragen beantworte ich ungern. Vielleicht ist "Ja" die einfachste und der Erwartungshaltung am ehesten entsprechende Antwort. Ob es die richtige ist, bezweifle ich, auch wenn das genug Schilder bestätigen ("Schnitzel mit Pommes 3 Euro"). Kulturvergleiche sind nicht mein Ding, da muss ich mich an harte messbare Fakten halten, um die oft heiß begehrten Unterschiede zwischen München und Leipzig zu finden. Das sind zum Beispiel die Bierpreise, aber selbst da gibt es Ausnahmen. Nicht zu bestreiten ist, dass der Münchner Hauptbahnhof hässlich ist. So hässlich, dass der Leipziger Hauptbahnhof in noch hellerem Glanz erstrahlt als ohnehin schon.
Jetzt mache ich Urlaub und treffe nette Menschen. Mir wurde gesagt, dass ich frisch aussehe und viel positiver bin. Ja sogar entspannter. Das freut mich sehr und nur wegen dieser Lockerheit konnte ich es mir leisten, gestern den ganzen Tag biertrinkend auf einer Parkbank zu verbringen. In vier Monaten kann viel passieren, da muss man aufpassen, das man beim quatschen nichts vergisst. Das hätte man vorher viel öfter machen müssen. Die Lockerheit kommt aber wahrscheinlich auch gerade von meinem Besucherstatus. Es ist ein komisches Gefühl, Leipzig zu besuchen. Ich mag die Stadt sehr. Sie ist mir irgendwie ans Herz gewachsen. Seltsam nur, dass ich das Straßenbahnnetz schon fast vergessen habe. Ist das ein Zeichen? Erinnere ich mich bald nur noch an das Völkerschlachtdenkmal und das Neue Rathaus? Eine Horrorvorstellung und hoffentlich Quatsch mit Soße. Wenn ich an Leipzig denke, denke ich zu allererst an die Freunde, die hier wohnen und die schöne Zeit, die ich hier hatte und haben werde.



Samstag, 23. Juni 2012

BILD BILD BILD

Heute ist es also so weit. Die BILD flattert in gang ganz viele Haushalte. Meiner ist auch mit dabei, obwohl ich mich doch eigentlich dagegen wehren wollte. Aber gut, von 10 Dingen, die ich mir vornehme, setze ich manchmal nur die Hälfte um und nun ist sie da, die BILD. Beim schreiben dieser Zeilen fällt mir auf, wie ich mich jedes Mal ein bisschen mehr verachte, wenn ich das böse Wort mit den vier Buchstaben schreibe. Dreckig und schäbig komme ich mir vor, wie ein schmieriger Reporter, der dem Anruf irgendeiner C-Prominenz folgt, die dann und dann da und da sein könnte und ganz zufällig naja ihr wisst schon.
Die BILD löst in mir regelmäßig Kopfschütteln aus und es kommt vor, dass ich auf einen Schlag sämtliche Leser und Leserinnen auf den Mond schießen will. Alles ganz natürliche Reaktionen, ohne die BILD wäre eh alles besser und wie können die nur davon ausgehen, dass den Geburtstag dieses Blattes ganz Deutschland mitfeiern will. Ich feier ja kaum meinen eigenen...
So dachte ich bis jetzt. Nun halte ich das Gratisexemplar in den Händen und bin ehrlich gesagt ganz begeistert. Ich wusste gar nicht, wie toll die BILD ist. Seit ich vor gut zwei Monaten in meine neue Wohnung gezogen bin, plagte mich ein ernstes Problem. Bis heute erschien es mir fast unlösbar. Es geht um meine Wohnzimmertür, die nie aufbleiben will. Ständig fällt sie mir beim Durchgehen in den Rücken. Seit ich das Geburtstagsexemplar habe, ist Schluss damit. einfach ein Stück aus der BILD gerissen und zusammengeknüllt, schon habe ich einen exzellenten Türstopper. 
Aber damit hört es nicht auf. Wochenlang musste ich mich an das Münchner Wetter gewöhnen. Mal glühende Hitze, dann wieder Regen ohne Ende. Nun habe ich endlich die Möglichkeit, mir einen formschönen Papierhut aus einer Seite zu basteln. Der schützt vor Sonne und Regen. Und falls mal wieder einen Wolkenbruch die Straße überschwemmt, kann ich ihn auch zu einem Boot umfunktionieren, da freuen sich gleich noch die Nachbarskinder.
Als eher theoretischer Mensch fehlen mir oftmals praktische Beispiele. Wie oft habe ich schon versucht zu erklären, dass man Papier nicht neunmal falten kann. Ungläubige Blicke habe ich geerntet, aber jetzt habe ich endlich genug Material, um allen Ungläubigen zu zeigen, dass das unmöglich ist. Auch ihr könnt das mit eurem Gratisexemplar ja mal probieren. Was für ein Hit auf jeder Party!
Das sind nur drei Beispiele. Grenzenlose Möglickeiten haben sich mir eröffnet. Ich lache alle aus, die die BILD achtlos in den Müll pfeffern, ohne sich ernsthaft damit auseinandergesetzt zu haben. Selten habe ich mich so über ein Geschenk gefreut. Danke BILD. Und jetzt muss ich mir die Hände waschen.



Donnerstag, 21. Juni 2012

Wenn du genau wie ich gegen Mobbing bist...

Es kann so schnell gehen. Da surft man vergnügt im sozialen Netzwerk seiner Wahl und scrollt durch Bilder von Katzen und Musikvideos von Künstlern, von denen man noch nie irgendwas gehört hat. Ein Gefühl von Leichtigkeit breitet sich aus. Doch bald spürt man leises Unbehagen. Es kommt von ganz unten, sowohl aus dem Magen als auch aus der Timeline. Dunkel kommt es aus der Nacht, in der es gepostet wurde. Es hat viele Gesichter, aber noch keinen Namen. Es ist ein Zwitter aus Bild und schlecht gesetztem Text und es ist gekommen, um einem die Laune zu verderben.  Es prangert das Schlechte auf der Welt an und fordert auf, eben jene zu verbessern. Und es zeigt einem, wie wenig man bisher getan hat. Die Rede ist von einem dieser undefinierbaren Dinger:



















Die Welt ist hart, gezeichnet von Vergewaltigung, Krankheit, verkannten Helden und Vorverurteilungen. Erste Eindrücke sind nicht immer die besten und Menschen werden gemobbt auf Grund von Unkenntnis und Äußerlichkeiten. Mobbing und die damit verbundene Gewaltanwendung und Ausgrenzung ist ungerecht und sollte niemand gutgeheißen. Ich glaube, dass das von so ziemlich allen, die wissen, was Mobbing ist, geteilt wird. 
Das obige Textbild mag für viele trivial sein, stößt mir jedoch regelmäßg sauer auf. Es werden drei Fälle beschrieben, in denen Menschen diffamiert werden. Als Grund dafür wird die Unkenntnis der Umstände genannt - Feuer, Vergewaltigung und Krankheit. Klar bin ich dagegen, doch angenommen, die Kenntnis dieser Schicksale würde vor Mobbing schützen, was ist dann beispielsweise mit dem Kind, das die Leute fett nennen, ja das Kind, das trotzdem nicht krank ist sondern einfach zu viel isst? Was ist, wenn Leute auf Grund von Äußerlichkeiten gemobbt werden, hinter denen keine schweren Schicksale stecken? Auch hier muss man sich gegen Gewalt und Ausgrenzung aussprechen, egal ob jemand vom Leben gebeutelt ist oder nicht.
Darüberhinaus werde ich gebeten, dieses schreckliche Textbild weiterzuposten. Tue ich dies nicht, wird sogar angenommen, dass ich mich nicht "traue", dies zu tun oder implizit für Mobbing bin.
Ich sehe dieses Bild immer häufiger und rege mich jedes mal darüber auf, wahrscheinlich sehe ich das zu eng, aber seht's mir bitte nach. Ihr könnt nicht wissen, dass ich mir einmal beim Nagelknipsen so sehr auf die Zunge gebissen habe, dass ich mich tagelang nicht mehr richtig ausdrücken konnte und dadurch von niemandem mehr ernst genommen und nur noch in meiner Schwäche ausgenutzt wurde. Seitdem bin ich etwas skeptischer.



Samstag, 14. April 2012

Von Bäumen, Brezeln und der Ästhetik des O

Vor zwei Wochen bin ich nach München gezogen. Ich hatte das Glück, für diese zwei Wochen bei einer Frau unterzukommen, die hauptberuflich für verzeifelte Menschen da ist und in ihrer Freizeit gerne Tee trinkt, Dinkelkekse isst und Bäume umarmt. Letzteres habe ich an der Uni auch schon gemacht - ein Hoch auf Schlüsselqualifikationen - wir hatten also gleich einen gemeinsamen Nenner. Ich habe dort Schwabing, den Nymphenburger Park und die Münchner Freiheit etwas näher kennen gelernt, das waren für mich vorher Böhmische Dörfer (und das, obwohl ich als Kind ein riesiger Fan der Münchner Freiheit war...).

Mein Job im Goethe-Institut bereitet mir viel Freude. Nicht zuletzt deshalb, weil ich mich mit dem Projekt, an dem ich mitarbeiten darf, ser gut identifizieren kann. Die Arbeit macht mir so viel Spaß, dass ich schon beinahe angefangen habe, über den Büroalltag zu twittern. Frei nach "Mist, der Kaffee ist alle" oder "Es druckt nicht". Aber dann bin ich doch noch zur Besinnung gekommen.

Viele wollen wissen, wie München "so ist" und ob ich mal was darüber berichten kann. Hätte ich vorher den Kopf voller Klischees gehabt, wären mir diese sicherlich hier bestätigt worden. Ich kann also wenig dazu sagen. Lederhosen und Schickimicki habe ich noch nicht groß wahrgenommen. Das, was mir bisher aufgefallen ist, ist dass hier zu jeder Zeit und überall Brezeln verfügbar sind und es so Zeitungskästen gibt, wo man irgendwas reinsteckt (oder auch nicht) und sich dann so viele Zeitungen wie man will herausnehmen kann. Pfft, und die Aktion "Bild für alle" soll was besonderes sein, ja? Und der Döner schmeckt mir nicht, aber vielleicht bin ich da auch verwöhnt. Das letzte Mal, dass ich so ein "Sandwich Döner Art" gegessen habe, war in Syke. Das ist ein Kaff in Niedersachsen. Aber wollen wir uns nicht mit solchen Lapalien aufhalten.

Jetzt sitze ich hier in der neuen Wohnung. Noch ist sie ohne Möbel, die kommen bald nach. Ich überlege, ob ich mir eine Zeitung nehme und überall den Buchstaben O durchstreiche. Ich hab das mal in einem Roman gelesen (von Faldbakken oder Drehmann, kann mich aber auch irren), nur dass es dort der Buchstabe E oder I war. Für ein O braucht man natürlich einen Grund der Antipathie, sonst hätte das ja gar keinen Sinn. Da stellt sich mir die Frage, warum ich das O nicht mögen sollte. Ist es mir zu offen oder zu geschlossen? Irgendwie ist beides richtig, da müsste man sich mal professionelle Hilfe bei einem Ästheten holen.

Was für eine Kurve hat dieser Text jetzt eigentlich genommen? Ich wollte doch nur beschreiben, dass ich jetzt alleine in einer leeren Wohnung sitze... In diesem Sinne.





Donnerstag, 8. März 2012

Goodbye Leipzig

Ende 2004 bin ich nach Leipzig gezogen. Ein Jahr ins Studentenwohnheim, danach in den Leipziger Westen. Hier sitze ich jetzt und überlege, wie ich meine Gedanken in Worte fassen kann. Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob ich hier nach meinem Studium bleiben möchte. Berlin kam da oft in den Sinn und gedanklich war ich auch schon davon überzeugt, dort zu landen. Nun passieren im Leben oft die seltsamsten Dinge. So war das vor und in Leipzig und so wird das auch nach Leipzig sein. Als Deutsch-als-Fremdsprachler tat sich mir vor kurzem eine Tür auf, mit der ich kaum gerechnet habe. Bevor sie wieder zu ging, stellte ich einen Fuß hinein und darf euch sagen, dass ich ab April im Goethe-Institut in München arbeiten werde. Für mich ist das großartig und ein riesiger Schritt.

Rückblickend hatte ich wunderschöne Jahre in Leipzig. Die negativen Sachen kann ich locker an einer Hand abzählen und um die soll es nicht gehen. Ich möchte auch nicht die Orte aufzählen, die ich hier liebgewonnen habe. Vielmehr soll es um die Menschen gehen, die ich in den letzten Jahren kennengelernt und wiederentdeckt habe, sei es in Leipzig, Berlin oder anderswo.

Ich bin kein Partygänger, mach mich oft relativ rar, ja man würde mich nicht als Experten im Socializing bezeichnen. Ich bin froh, in den letzten Jahren viele Freunde und Freundinnen gewonnen zu haben. Falls du du dich gerade fragst, ob du gemeint bist: Ja, das bist du.

Ab April heißt es für mich Auf Wiedersehen Leipzig und alle, die ich deshalb seltener als ohnehin schon sehe. München ist kein Nirgendwo und ich bin nicht aus der Welt gefallen. In diesem Sinne sieht man sich.

 




Mittwoch, 29. Februar 2012

Geträumt

Ich habe von einem Mann geträumt, der auswanderte und in einer sehr sehr Bösen Großfamilie landete. Er floh mit der jüngsten Tochter, die allerdings irgendwann auf der Strecke blieb. In der Nacht rannte er ohne etwas zu sehen, soweit er konnte. Er fand eine Oase auf einer Klippe über dem Meer, auf der er 200 Jahre alt wurde. Täglich besuchten ihn zwei Schimpansen, die nach seinem Tod seinen Kopf auf einen Pfahl spießten. Das alles wurde von einer Erzählstimme wiedergegeben. Was soll man dazu noch groß sagen...

 




Samstag, 18. Februar 2012

Deutschland sucht die Superphrasen und ich habe sie gefunden

Die letzten Wochen und Monate im TV-Land haben gezeigt, dass es bei zeitgemäßen musikalischen Castingshows weniger darauf ankommt, die Teilnehmenden zu blamieren und vorzuführen, sondern mehr oder weniger die ultimative Stimme zu finden. Sendungen wie X-Factor, The Voice of Germany oder Unser Star für Baku sind beispielhaft für diesen neuen Trend. Ob den Teilnehmenden ein langfristiger Erfolg (was immer das auch ist) garantiert ist, kann ich genauso wenig beurteilen wie die Qualität der einzelnen "Produkte". Worum es an dieser Stelle gehen soll, sind die neuen Anforderungen, die an die Jurys gestellt werden. Es reicht nicht mehr, den einzelnen Darbietungen Hohn oder blinde Lobhudelei zu entgegnen, wobei letzteres wohl immer präsent sein wird. Vielmehr ist es für den Juror oder die Jurorin von heute nötig, ein Set von stets pietätvollen und geistreichen Phrasen abrufbar zu haben und für sämtliche Situationen gewappnet zu sein. Dabei möchte ich gerne helfen.
Man stelle sich vor, jemand hat gerade ganz fantastisch gesungen und man weiß nicht so recht, wie man das erklären soll, ohne den Zuschauer zu überfordern. Hier meine Vorschläge:
  • Du hast heute echt wieder abgeliefert.
  • Das war internationales Niveau.
  • Du würdest damit einen Grammy gewinnen.
  • Ich kann nicht mehr, du hast mich weggeblasen.
  • Das was du machst, das können nicht viele.
Oftmals möchte man aber auch zeigen, wie gut man sich gerade im musikalisch-fachlichen Bereich auskennt. In solchen Fällen kann man jederzeit Fremdwörter mit einfließen lassen.
  • Mir gefällt dein Vibrato in der Stimme.
  • Mir gefällt, dass du kein Vibrato in der Stimme hast.
  • Du bist so schön edgy und ich liebe deine Stimme. Sie ist so rough!
  • Deine Stimme ist so schön smooth!
  • Mir gefallen die Strophen, aber in der Bridge bist du echt abgegangen.
In manchen Fällen ist man so stolz auf seine Teilnehmenden, da kann man die Situation gut nutzen, um statt die Performance zu bewerten, sein eigenes Format zu loben.
  • Ich finde es gut, dass man hier seinen eigenen Song singen kann. Das kann man sonst nirgends!
  • Wir sind keine Jury, wir sind Mentoren!
  • Wir sind keine Jury, wir sind Coaches!
  • Bei anderen Castingshows würde man mit unseren Top 5 eine ganze Staffel füllen!
  • Wir sind keine Castingshow!
Bei allem Hang dazu, möglichst objektiv zu bewerten, ist es manchmal doch notwendig, das Publikum in die richtigere Bahn zu lenken. Hat man beispielsweise zwei Teilnehmende, die bei den Zuschauern gleich gut ankommen, muss man die Kritik nur gut verpacken und schon ist das Problem gelöst.
  • Du warst viel besser als in der Probe.
  • Der Song hat mir heute zum ersten Mal richtig gefallen.
  • Du hast das Lied sehr schön nachgesungen.
  • Siehst du, du brauchtest gar keine Angst haben, das hast du sehr gut gemacht.
  • Ich weiß, wie aufgeregt du immer bist, aber das musst du gar nicht sein, das war spitze!
In jede Jury gehört ein Juror oder eine Jurorin, der oder die nicht durch Fachkenntnis, sondern durch Empathie brilliert. Dies ist nötig, da die Bewertung sonst zu technisch wirkt, was wiederum total uninteressant für das Publikum wäre. Man erkennt ihn oder sie sehr leicht an folgenden Aussagen.
  • Ich habe dich ganz gespürt.
  • Ich habe gemerkt, wie du den ganzen Song über bei mir warst.
  • Uns verbindet etwas ganz besonderes.
  • Ich weiß nicht, was es ist, aber ich habe überall Gänsehaut.
  • Ich merke, du hast so etwas in deinem Inneren, das berührt mich.
  • Wir sind Seelenverwandte.
Analog dazu kann man sich auch auf die optische Erscheinung beziehen.
  • Ich mag deine extrovertierte Art.
  • Ich mag, wie du auf der großen Bühne ganz bei dir bist.
  • Ich mag, wie du mit deiner Präsenz verstehst, die Bühne auszufüllen.
  • Nächste Woche kannst du ruhig etwas gewagteres anziehen.
  • Ich mag deine Schuhe.
Der Trend zu Castingshows, die eigentlich keine sein wollen, wird sicherlich eine Weile anhalten. Wer weiß, wer noch alles in einer Jury landen wird. Ich hoffe, mit dieser Sammlung von überaus nützlichen Phrasen, angehenden Juroren und Jurorinnen eine sinnvolle Grundlage geben zu können.
Ein Satz fehlt noch. Ein sehr wichtiger Satz, den man immer sagen kann, wenn man mit seinem Latein am Ende ist. Ein Satz, den man sich auch als Zuschauer, merken sollte - als Zuschauer, der stets die Wahl hat, was er wann und ob überhaupt in der Kiste sehen möchte.
  • Am Ende muss das Publikum entscheiden.



Sonntag, 5. Februar 2012

Traumexplosion

Im Traum erschien mir eine unbekannte Person. Sie sagte:

"Weißt du, es gibt Menschen, die wollen, dass was geschieht und Menschen, die wollen, das was passiert. Ich selbst will eigentlich nur meine Ruhe, aber trotzdem soll etwas geschehen. Man muss unterscheiden, heutzutage passiert so viel, ohne dass etwas geschieht. Ich habe mir da meine Gedanken gemacht und ich glaube! das liegt an der Explosivität. Du kennst das doch aus der Phonetik. Wenn was [p]assiert, dann explodiert das aus einem heraus. Es geht schnell und ist auch schnell wieder vergessen. Hauptsache, es ist laut gewesen. Da kommt das, was [g]eschieht wesentlich ungespannter, also entspannter daher.
Was ich damit sagen will: Wenn etwas passiert, heißt das noch lange nicht, das auch tatsächlich etwas geschieht. Letzteres ist natürlich davon abhängig, was du tust und machst.
Da fällt mir ein: Weißt du, es gibt Menschen, die tun was und Menschen, die machen was. Du solltest..."

Da bin ich aufgewacht. Zum Glück, ich lass mir nicht gerne von mir unbekannten Personen einen Knopf an die Backe labern, schon gar nicht über phonetische Halbwahrheiten. Das ist ja zum einschlafen.



Montag, 23. Januar 2012

Wie mich mein letzter Spaziergang verfolgt hat

Als ich vor ein paar Tagen spazieren ging, kam mir auf einmal etwas in den Sinn, an das ich an die 20 Jahre lang nicht mehr gedacht habe. Ziemlich seltsam, war doch der Spaziergang größtenteils dazu da, den Kopf frei zu bekommen von dem ganzen anderen Quatsch. Ein freier Kopf ist jedoch etwas anderes als ein leerer Kopf, vielleicht habe ich eher letzteres erwartet. Im Nachhinein bin ich froh drüber, denn ein Vakuum im Schädel ist öfter hinderlich als nicht und sowieso kaum wünschenswert. Hab also alles richtig gemacht.

Wie dem auch sei, ich spaziere also lässig vor mich hin (gelernt ist gelernt) und auf einmal schießt mir eine Erinnerung durch den Kopf. Ich sitze als kleines Kind draußen und spiele mit etwas. Was das war, das gab die Erinnerung nicht preis, was ich ihr sehr übel nahm. Nur das Gefühl hat sie transportiert, was mich einige Tage beschäftigt hatte. Was war das für ein komisches Dingens? Und wie lange muss das schon zurückliegen, dass ich mich so gar nicht an das Teil, aber immerhin an seine Metaphysik erinnere?

Aus Kindsperspektive war das Ding ziemlich groß, ich sag mal von der Hand zum Ellenbogen - wer sagt schon "Elle"? "Hör zu, ich schwöre, der Maulwurf war eine Elle lang!" ist eher was für Veteranen und so alt fühle ich mich dann doch noch nicht. Es war eher rund als eckig, auf alle Fälle ging es irgendwie in die Höhe. Und das Material war organisch.

Als ich eingangs erwähnte, damit gespielt zu haben, war das nicht falsch, aber im Grunde genommen habe ich das Ding einfach kaputt gemacht. Das hatte so eine komische Umwickelung, die beim Abziehen geknirscht hat, wie trockenes Gras nur viel dicker. Wie genau ich mich daran erinnere und wie schwer ich das mit Worten beschreiben kann, ist schon seltsam. Ich habe das Gefühl, als wollte mir mein Kopf die Erinnerung eigentlich bis auf ewig vorenthalten. Was hab ich auch davon? Bei Umwickelung fällt mir übrigens ein, dass ich als Kind auch felsenfest davon überzeugt war, dass die Kruste vom Brot dasselbe sei wie Baumrinde, aber halten wir uns nicht mit Nebensächlichkeiten auf.

Unter der Umwickelung sah das Teil ganz anders aus. Es bestand innen aus vielen Kügelchen, nicht hart nicht weich. Und in denen war sowas wie Milch. Die habe ich dann in eine Regentonne ausgequetscht.

Und dann fällt's mir ein. Ich sehe es förmlich vor mir und nicht nur das, ich sehe mich, wie ich das Ding komplett auseinandernehme. Es ist so einfach, das Teil, nach dem ich die ganze Zeit gesucht habe, ist ein stinknormaler Maiskolben.

Keine Ahnung, wo der herkam. Das zu rekonstruieren würde sicherlich sehr viele Spaziergänge in Anspruch nehmen. Warum mein Unterbewusstsein mich an diesem Tag gerade mit Mais geärgert hat, weiß ich nicht. Bis heute esse ich den gar nicht. Vielleicht ist es eine Frage des Alters, so wie ich seit einiger Zeit Tomaten mag und vorher nicht ausstehen konnte. Wer weiß, vielleicht esse ich in einem Jahr sogar Rosenkohl. Aber Spaß beiseite, das wäre ja mal total absurd.

Schon seltsam, auf was für halbe Gedanken man beim Versuch, an nichts zu denken kommen, kann. Was da für ein Potential drin steckt, ist beeindruckend, auch wenn es zunächst mit einem Maiskolben beginnt.




Montag, 16. Januar 2012

Du kennst "Okapiposter" nicht?

Vor ein paar Tagen wurde ich Zeuge einer Unterhaltung, die sich etwa so abgespielt hat:
Person A: Ja stimmt, "Schilddrüsenunterfunktion" ist ein ganz tolles Lied von Funny van Dannen. Kennst du auch "Okapiposter"?
Person B: Nein, kenne ich nicht.
Person A: Waaaas? Du kennst "Okapiposter" nicht? Das ist doch so ein lustiges Lied, das kennt doch jeder! Wie kann man das denn nur nicht kennen, also das ist mir unbegreiflich... Kennst du "Okapiposter" wirklich nicht???
Wir verlassen diese Unterhaltung jetzt lieber, wer weiß, wo sie enden wird. Zugegeben, ich habe etwas übertrieben, aber nicht so sehr, wie man vielleicht denken mag. Es ist oft verwunderlich, wie einige Menschen, die sich als solche Musikkenner und -kennerinnen wahrnehmen, auf manch eine Unkenntnis des Gesprächspartners reagieren. Die Frage, ob man XY schon kenne, ist ja selten rhetorisch gemeint. Sätze wie "Kennst du Michael Jackson?" habe ich jedenfalls noch nie gehört. Es gibt also (vereinfacht) nur zwei mögliche Antworten: "Ja, kennich." oder eben "Nee, kennichnich." Zugegeben, viele Menschen, und ich vorneweg, denken, sie hätten den besten Musikgeschmack, den man überhaupt haben kann. Doch wie kann man so entrüstet sein, wenn jemand ein Lied oder eine Band nicht kennt, welche(s) man selbst total abgefahren findet? Gerade dann könnte man doch einfach antworten: "Musste dir mal anhören." Oder besteht der Reiz gerade darin, dieses Spiel als Selbstbestätigung zu spielen. So nach dem Motto: Du kennst Mangled Meltdown* nicht? Das habe ich mir schon gedacht. Wie willst du die auch kennen können, du mit deinem minderwertigen Musikgeschmack?

Was wäre eigentlich gewesen, hätte Person B das Lied gekannt?
Person A: Ja stimmt, "Schilddrüsenunterfunktion" ist ein ganz tolles Lied von Funny van Dannen. Kennst du auch "Okapiposter"?
Person B: Ja das ist eines Meiner Lieblingslieder. Wusstest du, dass Okapis mit Giraffen verwandt sind, wohingegen Schabrackentapire eher wie Schweine aussehen? Schade, dass er zu seinem Geburtstag nicht das gewünschte Poster bekommen hat, aber was ich will das gibt es auch nie... Sag mal wie findest du das Lied eigentlich?
Person B: Ist ganz ok.
*Ich danke dir, Band Name Maker, Drifting Ohio, Psychopatic Soda und Instinct Frog wären auch passend gewesen.




Montag, 2. Januar 2012

Jahresrückblickblog 2011

Das Jahr 2011 ist Geschichte. Was kaum jemanden überraschen wird ist, dass es an Silvester zu Ende ging. Gefeiert habe ich dieses Jahr in Berlin-Friedrichshain, auch F-Hain genannt, zusammen mit Freunden. Da ich Partys aus verschiedenen Gründen eher meide, war der Ausgang ungewiss. Die Aufforderung der Gastgeberin, diesmal gute Laune zu haben, machte mich zunächst nervös. Klar, ich hab nun nicht immerzu gute Laune, aber übertrieben miesepetrig bin ich doch auch nicht... Was mag sie nur gemeint haben? Sie war doch gar nicht dabei, als ich eines Tages auf irgendeiner Party überall sein wollte, nur gerade nicht dort und dass das wohl auch unmissverständlich an meiner Körpersprache erkennbar war und ich überhaupt lieber alleine oder wie der Anglist sagt mit Me, Myself & I viel gerner aber das ist ja nun auch schon ewig her und kaum der Rede wert.
Silvester 2011 war toll, es wurde Wii gespielt bis zum Vergasen und dabei Körper- und Rhythmusgefühl bewiesen. Wir sind buchstäblich ins neue Jahr gerutscht - und zwar mit einen Surfbrett durchs Weltall.

An dieser Stelle sollte eigentlich ein Jahresrückblick stehen, wie schon für 2010. Ich halte es für 2011 kurz: Das Jahr bestand im Wesentlichen aus Zungenbrand und Masterarbeit, zwei Dinge, die mich um einige Erfahrungen reicher gemacht haben und nun abgeschlossen sind.

Für TOASTblog.de war 2011 ein erfolgreiches Jahr. Dafür, dass ich Sachen schreibe, die weniger tagesaktuell sind als vielmehr nur mit mir selbst zu tun haben, gibt es doch immer Leute wie euch, die meine Texte lesen. Ich danke euch dafür aus tiefstem Herzen. Zu schreiben ist etwas einzigartiges, und gelesen zu werden ist auch nicht allzu schlecht. Ich verschone euch mit flachen Neujahrswünschen, die sind miefig und piefig. Ich grüße euch einfach und wünsche euch was.

Für alle, die nicht genug bekommen können bin ich auch auf Twitter zu finden und sammle Sachen auf Tumblr.




Sonntag, 27. November 2011

Der Hausnerd

Familien haben viele Gesichter. Es gibt Mütter und Väter, Tanten und Onkel, Schwippschwäger und sicherlich auch Schwippschwägerinnen. Es gibt Stiefeltern und Angeheiratete und allerlei Schwiegermenschen, oft auch in spe. Sie alle gehen irgendwelchen Beschäftigungen nach und man kann sicher sein, das es immer jemanden gibt, der sich mit Dachdeckerei, Pumpenbau oder der Steuererklärung auskennt. Einer, der hier näher beschrieben werden soll, ist der sogenannte Hausnerd.
Der Hausnerd - es gibt immer nur einen - ist zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt und hat das Elternhaus schon seit einiger Zeit verlassen. Er lebt in einer Stadt weit weit weg, ist allerdings in ständigem telefonischen Kontakt zum Rest der Familie. Oftmals studiert oder jobbt er mal mehr, mal weniger erfolgreich, hat also bei den Angehörigen den Ruf, sich in so manchen Dingen mal mehr, mal weniger gut auszukennen. So kommt es, dass er immer dann zu Rate gezogen wird, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es gerade soll. Dazu zählen vor allem technische Geräte wie Computer, Drucker, Fernseher und überhaupt alles, was eine digitale Zeitanzeige hat. Gerade zum Wechsel von Sommerzeit zu Winterzeit und umgekehrt glüht die Telefonleitung. Wie wird die Uhr vom Videorekorder umgestellt? Kannst du mir beim Autoradio helfen? Der Hausnerd hat für alles eine Lösung aus der Ferne parat. Das Solitärspiel geht nicht mehr? Kein Problem, klicke einfach mal da und da. Doppelt? Nein, einmal reicht. Der Dank ist ihm gewiss und der Tag gerettet.
Ein paar mal im Jahr verlässt der Hausnerd seine Kommandozentrale und besucht seine Familie. Dieser Gelegenheit wird in seinem Unwissen hoffnungsvoll entgegengefiebert, ermöglicht das doch das Lösen vieler ganz neuer Probleme, die für ein Telefonat zu komplex erschienen oder ohnehin nicht richtig erklärt werden können, ohne sie zu zeigen. Ein komplizierter Zeitplan wurde bereits erstellt, so dass dem heimgekehrten Hausnerd auch nicht langweilig wird in der alten Heimat. WLAN-Netze möchten eingerichtet werden und kaputte Festplatten repariert werden. Langsame PCs sollen beschleunigt und digitale Sateliten-Receiver begutachtet, umgetauscht und programmiert werden. Ein Scanner aus dem 19. Jahrhundert, der im Keller einer Verstorbenen gefunden wurde und noch "zu gut" ist, um weggeworfen zu werden, kann dann gleich auch noch angeschlossen werden. Dies alles und noch viel mehr erledigt der Hausnerd mit Bravour und stetiger Freude. Wer soll es denn auch sonst machen? Außerdem wird er in Buletten und Kartoffelsalat bezahlt und zuhause kommt ihm die Tiefkühlpizza schon aus den Ohren.
Nach der Zeit in der Heimat - vom Hausnerd im Vorfeld oft fälschlicherweise als "Urlaub" bezeichnet - kehrt er in seine Kommandozentrale weit weit weg zurück. Ihm fällt ein, dass er vergessen hat, die Zeitschaltuhr des Elekroherds lauter zu stellen. Diese Vorstellung bringt ihn fast um den Schlaf. Fast.

An dieser Stelle danke ich den Entwicklern von Remote-Software wie TeamViewer oder Chrome Remote Desktop, die das Leben für viele Hausnerds erleichtern.




Sonntag, 10. Juli 2011

Haben Sie eine DYNAMITE Tag mein Freund!

An dieser Stelle möchte ich mich bei all meinen Leserinnen und Lesern bedanken. Den/das TOASTblog gibt es nun schon fast 6 Jahre und es freut mich immer, wenn Ihr hier die aus meinem Kopf entsprungenen Zeilen lest. Es ist jetzt an der Zeit, endlich auf eure ganzen Kommentare einzugehen, die Ihr mir in der ganzen Zeit geschickt habe. Ohne viel Federlesen möchte ich gerne auf einige antworten. Überraschenderweise war es eine kleine Geschichte, die ich mir im Mai 2009 ausgedacht habe, die für die meiste Rückmeldung sorgte. Danke nochmal euch allen, vielleicht finden sich ja einige wieder:

Vielen Dank für das Schreiben dieses, es war unbelieveable informativ und erzählte mir eine Tonne. (zu Singin' in the Rain am 21.03.2011)
Ich genieße genau, wie Sie Ihr Niveau in ganz erhalten (zu Singin' in the Rain am 04.03.2011)

Vielen Dank. Ich denke, man muss sich immer am letzten Blogeintrag messen lassen. Dass ich ein Niveau habe, das ich sogar halten kann, gefällt mir deshalb ganz besonders. Ich kann nicht sagen, was ich beim Schreiben erreichen will, um ehrlich zu sein weiß ich das nicht genau und denke auch nicht darüber nach. Natürlich hat man einen Leser im Kopf, aber ob ein Text ankommt oder sogar, wie in Ihrem Fall, genossen wird, kann man nicht wissen. Eine Sache, die mir fern liegt ist allerdings, informieren zu wollen. Falls es doch mal dazu kommt, warum nicht. Vielen Dank nochmal, ach was schreib ich, eine Tonne Dank!

Hallo, Neat Post. Es gibt ein Problem mit Ihrer Website in Internet Explorer, würde dies zu testen ... Also noch ist der Marktführer und ein großer Teil der Menschen wird Ihre wunderbare schriftlich wegen dieses Problems vermissen. (zu Singin' in the Rain am 03.05.2011)

Vielen Dank für den Hinweis. Sie haben recht, momentan besuchen mich nur ca. 20% der Leser und Leserinnen mit dem Internet Explorer. Ich werde die von Ihnen angesprochenen Probleme zeitnah beheben. Ich habe mich schon oft gefragt, warum dieser/dieses Blog nur von einem elitären Kreis gelesen wird und so wenige Leute erreicht. Oder wie Sie es treffender ausdrücken, warum ein großer Teil der Menschen meine wunderbare Schriftlichkeit vermisst. Bisher dachte ich immer, ich sei eine Niete im Bereich Suchmaschinenoptimierung. Fühlen Sie sich bedankt.

Wirklich informativ Blogpost hier mein Freund. Ich wollte nur sagen, Kommentieren und halten Sie die Qualität der Arbeit. Ich habe deinen Blog gerade jetzt und bookmarked Ich komme wieder, um in Zukunft mehr mein Freund zu lesen! Auch gut zum Thema Farben geht es gut mit dem Blog in meiner bescheidenen Meinung gewählt:) (zu Singin' in the Rain am 25.02.2011)

Vielen Dank, mein Freund. Es freut mich, in Ihren Bookmarks auftreten zu dürfen und hoffe, die Qualität meiner Arbeit gehalten zu haben, mein Freund. Und danke für das Lob der Farben, da müssen Sie gar nicht so bescheiden sein, sie gefallt mir auch, mein Freund.

Das ist so eine wunderbare nützliche Ressource, die Sie anbieten, und Sie geben es fehlen kostenlos. Ich liebe es Websites, die den Wert der Bereitstellung einer Qualität nützliche Ressource für freie verstehen. Es? S die alte What Comes Around-Programm. (zu Singin' in the Rain am 17.12.2010)

Vielen Dank. Es ist für mich selbstverständlich, meine Inhalte kostenlos anzubieten. Natürlich ist es schön, wenn man mit seinem Blog die Möglichkeit hat, Geld zu verdienen, weshalb ich auch GoogleAds verwende. So kann mich jeder Besucher mit nur einem Klick unterstützen. Ich bin jeden Tag dankbar dafür und kann ohne falsche scheu sagen: Wo Erfolglos bloggen draufsteht, ist auch Erfolglos bloggen drin.

Sie ergänzt einige gute Punkte gibt. Ich habe eine Suche zum Thema und fand die Mehrzahl der Menschen die gleiche Meinung mit Ihrem Blog. (zu Singin' in the Rain am 21.12.2010)

Vielen Dank und Sie sprechen einen guten Punkt an. Natürlich freut es mich, wenn die Mehrzahl der Menschen meine Meinung teilt. Dies ist aber nur mit Vorarbeit möglich. Ich versuche deshalb, mit jedem neuen Blogeintrag möglichst viele Menschen anzusprechen und eine möglichst breite Meinung zu vertreten. Polarisieren oder unbequeme Ausführungen gehören hier nicht hin, schließlich kommen die Menschen freiwillig hier her, auch wenn ich letzteres manchmal gerne ändern würde.

Hallo , lesen jetzt Ihr Arbeit in Deinem Blog und ich genossen genießen Sie Beitrag mit Wissen ! Gongratulation , Good Night und auch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011! Ich entschuldige mich für meine bad Deutsch! (zu Sauber bis in die Haarwinkel am 29.12.2010)

Das wünsche ich Ihnen auch nachträglich. Machen Sie sich keine Sorgen, Ihr Deutsch ist nicht so bad as you think, Gongratulations zurück!

Haben Sie eine DYNAMITE Tag mein Freund! (zu Singin' in the Rain am 13.12.2010)

Dem kann ich mich nur anschließen!




Montag, 27. Juni 2011

Grundsolide deutsche Tugenden

Gestern war Sonntag. Das heißt im Allgemeinen, dass wieder einmal hunderte von kostenlosen Regionalzeitungen ins Haus flatterten und im Besonderen, dass die Fußball-WM 2011 eröffnet wurde. Zwei Ereignisse, die auf seltsamerweise zusammenhängen. Fangen wir bei der Weltmeisterschaft an. Viele Medien wurden im Vorfeld der Spiele nicht müde, über das Leben und den Migrationshintergrund der deutschen Nationalfußballerin Lira Bajramaj zu berichten. Auch die oft zitierte "gelungene Integration" - was immer das auch ist - wurde in diesem Zusammenhang oft erwähnt. Beim gestrigen Spiel gegen das kanadische Team wurden ihr dann sogar "grundsolide deutsche Tugenden" nachgesagt, was mich verdutzt aufhorchen lies. Nicht, weil ich hinter jedem Aufschrei danach Deutschtümelei vermute, sondern weil solche Begriffe einfach idiotisch sind. Im Allgemeinen wird bei der Assoziation "grundsolider deutscher Tugenden" die Mottenkiste der Stereotype aufgemacht und Sachen wie Pünktlichkeit oder Gründlichkeit herausgenommen, aber so war das gar nicht gemeint.
Die Mottenkiste kann zu bleiben, man nehme eine regionale Sonntagszeitung - auch "Wurschtblatt" genannt. Hier wird man nicht nur über Omas neues Heim oder die neuesten Schönheitswettbewerbe des nahen Autohauses informiert, nein man bekommt auch mit, was jenseits des Gartenzauns passiert. So zum Beispiel in Las Vegas. Die wohl noch bekannteste deutsche Tennisspielerin lebt dort glücklich mit ihrer Familie, nur etwas fehlt. Sind es die "grundsoliden deutschen Tugenden"? Möglicherweise, denn sie lässt verlauten, so einige deutsche Traditionen ins Familienleben aufgenommen zu haben. Aha, denkt der Leser, was soll das denn sein? Schwierig, zumal die Mottenkiste zu ist. Die Antwort ist ernüchternd und passt deshalb so gut zum Traditionsbegriff. "Ein Schnitzel muss ab und zu auf den Tisch."
Vergessen wir also Pünktlichkeit und Fleiß, das kann doch eh niemand erfüllen. Aber ab und zu ein Schnitzel essen, das muss schon drin sein. Dann gelingt auch die Integration.



Sonntag, 12. Juni 2011

TFTC

Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich mal ein Hobby haben werde, bei dem ich regelmäßig draußen unterwegs sein würde, ja sogar in der Natur, hätte ich ihm sicherlich einen, wenn nicht sogar den Vogel gezeigt. Nun sitze ich hier und möchte etwas über Geocaching schreiben.
Ich weiß nicht mehr genau, wo ich davon zuerst gehört habe, wahrscheinlich im Internet oder nein, vielleicht auch im Fernsehen. Da habe ich zumindest von einem Buch von Bernhard Hoëcker gehört, irgendwas mit Schnitzeljagd und GPS. Ja ich glaube, so war das.
Dabei geht es im Grunde darum, Behälter, die auf der ganzen Welt versteckt sind zu suchen. Verzeichnet sind diese Caches auf Internetseiten wie geocaching.com oder opencaching.de. Die Daten lädt man sich auf ein GPS-Gerät oder Handy mit GPS und dann gilt es, die Caches zu finden. Menschen, die nichts von der Schatzsuche wissen - auch Muggel genannt - werden dabei gemieden. Hat man einen Cache gefunden, trägt man sich in das dazugehörige Logbuch ein, indem man etwas zum Cache schreibt und sich bedankt (zum Beispiel mit TFTC - Thanks for the Cache). Möglicherweise befinden sich tolle Gegenstände im Cache, die man gegen gleich- oder höherwertige eintauschen kann. Zum Schluss versteckt man den Schatz wieder an der Stelle, an dem man ihn gefunden hat, damit auch anderen das wohlige Glücksgefühl des Findens nicht verwehrt bleibt. Da meine Erklärung sehr grob ist und Dinge wie Schwierigkeitsgrade oder Cachetypen auslässt, empfehle ich für weitere Informationen geocaching.de und die ausgezeichneten Podcasts von dosenfischer.de, insbesondere die Nummer 28, in der mehr informiert wird als ich es hier tun kann. Auch radioeins hat vor kurzem eine nette Reihe zum Thema zusammengestellt.
2009 habe ich mit dem Geocachen angefangen und bis heute viel Spaß damit gehabt. Anfangs nur mit Google Maps bewaffnet ging die Suche eher schleppend voran, was natürlich auch seinen Reiz hatte. Mittlerweile benutze ich ein HTC Desire mit der kostenlosen Android-App c:geo, bevorzuge also ein neumodisches Telefon und kein GPS-Gerät im eigentlichen Sinn.
In den vergangenen 2 Jahren hat mich die Schatzsuche in verlassene Häuser und in Abflusstunnel geführt. Vor Kurzem wäre ich fast in der Wildnis des Auenwalds versackt. Ich habe Orte in Orten kennengelernt, die ich vorher dachte zu kennen und jetzt viel besser kenne. Jeder Tag davon ist einzigartig und zusammen mit Freunden Cachen zu gehen ist immer etwas besonderes.
Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich mal ein Hobby haben werde, bei dem ich regelmäßig draußen unterwegs sein würde, ja sogar in der Natur, hätte ich ihm sicherlich einen, wenn nicht sogar den Vogel gezeigt. Heute ist das für mich selbstverständlich. Fast immer, wenn ich irgendwo hinfahre, stellt sich mir nur eine Frage: Gibt es da auch einen Cache?



Freitag, 27. Mai 2011

Zur Konnotation des Arzt-, Patient- und Linguistseins

Liebes Tagebuch,

was soll das? Wieso laufen mir an einem Tag rauchende hochschwangere und hakenkreuztätowierte Frauen über den Weg? Muss das sein?
Vielleicht hätte ich mir den Weg sparen sollen, aber das wäre nicht gerade förderlich für mich gewesen, ging ich doch mit der Aussicht auf Wurzelbehandlung zum Zahnarzt. Der Weg an sich war übrigens leicht und keineswegs steinig und schwer, wie kiffende Autofahrer oft in anderen Kontexten behaupten.
Jahrelang litt ich unter einer Angst vor Zahnärzten (in Fachkreisen auch "Zahnarztangst" genannt), die sich mittlerweile verflüchtigt, ja in eine lässige Wartezimmercoolness verwandelt hat. Rückfälle sind aber immer möglich, insbesondere bei kurioser Operationsbeschallung, aber Enrique sang bis jetzt nur einmal.
Meist vollzieht sich die Beschallung von Seiten des Arztes, der diesmal darüber dozierte, dass viele Wörter negativ konnotiert sind. Wer denkt bei ZAHNARZTBOHRER an blühende Landschaften? Dann leitete er über zu Gebrauchsanweisungen, die zum Kauf eines extraordinären Produktes gratulieren. Da freut sich die Mutti gleich doppelt über die neue Bratpfanne. Leider habe ich irgendwann den Faden verloren (nicht nur im Mund, harhar). Wenn man da so sitzt und vor lauter offenem Kopf nicht die Paradebeispiele von positiv konnotierten Wörtern anfügen kann, die man in seinem Studium gelernt hat (...), frustriert das etwas. Glücklicherweise schloss der Arzt seine Ausführungen mit den Worten ab, dass ich das als Linguist (Linguist!) aber wohl am besten wisse. Was für ein Mensch, der sich damit den Status Angstzahnarzt (im positiven Angstbekämpfungssinn) von mir dem Angstpatienten (im negativen Angsterfülltheitssinn) redlich verdient hat. Das ließ mich dann wieder Aufatmen und hätte ich dich nicht angeschrieben, liebes Tagebuch, wer weiß ob ich dann noch an rauchende schwangere Hakenkreuzfrauen denken würde.

~S.
 



Mittwoch, 13. April 2011

Ein Auto ist ein Auto ist ein Auto ist ein Auto

"Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose." Dieser Satz stammt aus dem 1922 veröffentlichten Gedicht Sacred Emily von Gertrude Stein. Oft wird der Satz so interpretiert, dass die Dinge so sind wie sie eben sind. Eine Rose ist eine Rose und daran gibt es nichts zu rütteln, genauso wie 1 = 1 ist oder ein Kreis ein Kreis. Ohne auf das ganze Gedicht einzugehen, sehe ich das etwas anders. Eine Rose steht für viele Dinge. Sie reicht von der Liebe über den Vornamen bis hin zur schnöden Pflanze, kann also auf unterschiedlichste Weisen gedeutet werden. Eine Rose ist nicht nur eine Rose, nein sie ist auch eine Rose und obendrein noch eine Rose, neben vielen anderen natürlich.

Wie komme ich jetzt darauf? Mein Auto ist weg, das heißt woanders. An einem besseren Ort. Wovon träumen Autos? Egal, da ist es jedenfalls jetzt.
Ich kann nicht sagen, dass ich traurig bin, dass es weg ist. In erster Linie war es ein Gebrauchsgegenstand und ein kaputter noch dazu. Trotzdem ist ein Auto mehr als ein Auto. Mehr als Symbol und mehr als Ort. Für mich sind damit viele schöne Erinnerungen verbunden. Sei es eine Zeltplatztour quer durch Deutschland oder eine Fahrt mitten rein ins Vogelgrippegebiet. Auch an meine erste Fahrt nach Leipzig zwecks Wohnungssuche erinnere ich mich gerne, wenn auch mit etwas Schrecken. Nein, auf der Autobahn einpennen ist nicht so toll, aber geschadet hats mir auch nicht.

Ich bedanke mich jedenfalls beim Eberswalde-Mobil. Du warst immer für mich da, auch wenn du in den letzten Monaten nur so rumgestanden hast. In Zeiten, in denen fast alles schief lief, bin ich mit dir einfach irgendwo hingefahren und dann ging es wieder. Und dass du mir so viele schöne Zeiten mit meiner Freundin beschert hast, das ist auch nicht ohne.


Mein Auto bleibt mein Auto bleibt mein Auto bleibt mein Auto.





Donnerstag, 24. Februar 2011

Wörterbuchlyrik

Dass Texte über Erdbeben ein lyrisches Potential besitzen können, habe ich schon an anderer Stelle beschrieben. Damals hat mich ein Japanlologiereferat zur Seismolyrik geführt.
Heute beschäftige ich mich mit Deutsch-Japanischen Wörterbüchern und stoße auf einige Kuriositäten. Neben "Schnedderengtengteng!" und "einer Leiche folgen" kann man so einiges zum Schmunzeln finden, auch oft längst vergessene Wörter wie "Beißkohl" oder "todbang" sind keine Seltenheit.

Hängengeblieben ist bei mir aber vor allem der Eintrag zu "bleiben" im SANSYUSYA-Wörterbuch von 1972. Was dort an Beispielsätzen hintereinander steht, ließt sich wie ein Gedicht, quasi Wörterbuchlyrik:

Es bleibt alles, wie es war.
Zwei von sieben bleibt fünf.
Ihm bleibt nur sein Haus.
Wo Bleibt er?
Wo ist er nur geblieben?
Und wo bleibe ich?

Bleiben Sie gesund!
(SANSYUSYA 1972: 173)

Anscheinend ist vieles sicher. Genauso sicher, wie 7-5=2 ist, dass ihm, wer immer auch gemeint ist, nichts außer seinem Haus bleibt. Immerhin, könnte man da sagen, aber ungewiss ist, wo er als Person bleibt, also er ohne sein Haus. Er ist nicht mehr da, wo kann er nur sein? Den Sprecher erinnert es an sich selbst und er stellt auch sein Sein in Frage. Das Gedicht schließt mit einem Rat an den Leser. "Bleiben Sie gesund!" Hier kann man sehen, was so viele sehen - sei es bei Geburtstagen oder der Unterhaltung auf der Straße: Egal, wo man bleibt, auch ohne Haus und mit der Ungewissheit über Sein oder Nichtsein, Hauptsache gesund!