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Samstag, 18. Februar 2012

Deutschland sucht die Superphrasen und ich habe sie gefunden

Die letzten Wochen und Monate im TV-Land haben gezeigt, dass es bei zeitgemäßen musikalischen Castingshows weniger darauf ankommt, die Teilnehmenden zu blamieren und vorzuführen, sondern mehr oder weniger die ultimative Stimme zu finden. Sendungen wie X-Factor, The Voice of Germany oder Unser Star für Baku sind beispielhaft für diesen neuen Trend. Ob den Teilnehmenden ein langfristiger Erfolg (was immer das auch ist) garantiert ist, kann ich genauso wenig beurteilen wie die Qualität der einzelnen "Produkte". Worum es an dieser Stelle gehen soll, sind die neuen Anforderungen, die an die Jurys gestellt werden. Es reicht nicht mehr, den einzelnen Darbietungen Hohn oder blinde Lobhudelei zu entgegnen, wobei letzteres wohl immer präsent sein wird. Vielmehr ist es für den Juror oder die Jurorin von heute nötig, ein Set von stets pietätvollen und geistreichen Phrasen abrufbar zu haben und für sämtliche Situationen gewappnet zu sein. Dabei möchte ich gerne helfen.
Man stelle sich vor, jemand hat gerade ganz fantastisch gesungen und man weiß nicht so recht, wie man das erklären soll, ohne den Zuschauer zu überfordern. Hier meine Vorschläge:
  • Du hast heute echt wieder abgeliefert.
  • Das war internationales Niveau.
  • Du würdest damit einen Grammy gewinnen.
  • Ich kann nicht mehr, du hast mich weggeblasen.
  • Das was du machst, das können nicht viele.
Oftmals möchte man aber auch zeigen, wie gut man sich gerade im musikalisch-fachlichen Bereich auskennt. In solchen Fällen kann man jederzeit Fremdwörter mit einfließen lassen.
  • Mir gefällt dein Vibrato in der Stimme.
  • Mir gefällt, dass du kein Vibrato in der Stimme hast.
  • Du bist so schön edgy und ich liebe deine Stimme. Sie ist so rough!
  • Deine Stimme ist so schön smooth!
  • Mir gefallen die Strophen, aber in der Bridge bist du echt abgegangen.
In manchen Fällen ist man so stolz auf seine Teilnehmenden, da kann man die Situation gut nutzen, um statt die Performance zu bewerten, sein eigenes Format zu loben.
  • Ich finde es gut, dass man hier seinen eigenen Song singen kann. Das kann man sonst nirgends!
  • Wir sind keine Jury, wir sind Mentoren!
  • Wir sind keine Jury, wir sind Coaches!
  • Bei anderen Castingshows würde man mit unseren Top 5 eine ganze Staffel füllen!
  • Wir sind keine Castingshow!
Bei allem Hang dazu, möglichst objektiv zu bewerten, ist es manchmal doch notwendig, das Publikum in die richtigere Bahn zu lenken. Hat man beispielsweise zwei Teilnehmende, die bei den Zuschauern gleich gut ankommen, muss man die Kritik nur gut verpacken und schon ist das Problem gelöst.
  • Du warst viel besser als in der Probe.
  • Der Song hat mir heute zum ersten Mal richtig gefallen.
  • Du hast das Lied sehr schön nachgesungen.
  • Siehst du, du brauchtest gar keine Angst haben, das hast du sehr gut gemacht.
  • Ich weiß, wie aufgeregt du immer bist, aber das musst du gar nicht sein, das war spitze!
In jede Jury gehört ein Juror oder eine Jurorin, der oder die nicht durch Fachkenntnis, sondern durch Empathie brilliert. Dies ist nötig, da die Bewertung sonst zu technisch wirkt, was wiederum total uninteressant für das Publikum wäre. Man erkennt ihn oder sie sehr leicht an folgenden Aussagen.
  • Ich habe dich ganz gespürt.
  • Ich habe gemerkt, wie du den ganzen Song über bei mir warst.
  • Uns verbindet etwas ganz besonderes.
  • Ich weiß nicht, was es ist, aber ich habe überall Gänsehaut.
  • Ich merke, du hast so etwas in deinem Inneren, das berührt mich.
  • Wir sind Seelenverwandte.
Analog dazu kann man sich auch auf die optische Erscheinung beziehen.
  • Ich mag deine extrovertierte Art.
  • Ich mag, wie du auf der großen Bühne ganz bei dir bist.
  • Ich mag, wie du mit deiner Präsenz verstehst, die Bühne auszufüllen.
  • Nächste Woche kannst du ruhig etwas gewagteres anziehen.
  • Ich mag deine Schuhe.
Der Trend zu Castingshows, die eigentlich keine sein wollen, wird sicherlich eine Weile anhalten. Wer weiß, wer noch alles in einer Jury landen wird. Ich hoffe, mit dieser Sammlung von überaus nützlichen Phrasen, angehenden Juroren und Jurorinnen eine sinnvolle Grundlage geben zu können.
Ein Satz fehlt noch. Ein sehr wichtiger Satz, den man immer sagen kann, wenn man mit seinem Latein am Ende ist. Ein Satz, den man sich auch als Zuschauer, merken sollte - als Zuschauer, der stets die Wahl hat, was er wann und ob überhaupt in der Kiste sehen möchte.
  • Am Ende muss das Publikum entscheiden.



Samstag, 29. Oktober 2011

Süßes oder Saures? Der Reformationstag steht vor der Tür

Es ist wieder so weit. Der Reformationstag steht vor der Tür, vielen auch bekannt unter dem Namen Halloween. Einer uralten Legende zufolge soll ein Theologieprofessor im Jahr 1517 einen Zettel an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben, allerdings war für die meisten Menschen unklar, was auf diesem geschrieben stand, da der Text in lateinischer Schrift verfasst war. Nach neuesten Erkenntnissen handelte es sich dabei um den Satz "Trick vel agere". Übersetzt um drei Ecken heißt das soviel wie "Süßes oder Saures". Lange wurde überlegt, was der Professor mit dieser Drohung wohl meinte. Zeitzeugen zufolge, soll sich noch in der Nacht des 31.10.1517 folgendes abgespielt haben: Auf Grund einer damaligen Überproduktion an Kürbissen hat Jakob Laterna, der Gärtner der Kirche beschlossen, einen Großteil der Ernte zu verschenken. Da er wusste, dass Kürbisse nicht sonderlich beliebt waren - Kürbissuppe oder Kürbisbonbons kamen bei niemandem gut an - musste er sich etwas einfallen lassen. So schälte er Gesichter in die Gewächse, nicht zuletzt auch um subversiv einige Vertreter der römisch-katholischen Kirche anzuprangern, was an dieser Stelle allerdings zu weit führen würde. Der Gärtner legte seine Kürbisse nachts vor die Tür der Schlosskirche und stellte am Morgen fest, dass sein Plan voll aufging. Die Kürbisse waren alle weg und zierten nun die Wittenberger Häuser. Dies muss auch dem Professor gefallen haben, denn von seinen sauren Konsequenzen wurde der Gärtner verschont. Historiker waren sich lange nicht sicher, wie die Folgen ausgesehen hätten. Die These, dass in den Briefkasten der Schlosskirche Sirup gegossen worden wäre, konnte nicht bestätigt werden, hält sich aber immer noch hartnäckig. Die Angst vor dem Ungewissen blieb bis heute bestehen, was auch ein Flugblatt aus dem 16. Jahrhundert zeigt.


Jakob Laterna ging in die Geschichte ein. Er war es, der das Ansehen der Kürbisse nachhaltig mit einem Imagewechsel von der ungenießbaren Zutat zum saisonalen Wohnaccessoire prägte. Bis heute wird so der Reformationstag auf der ganzen Welt gefeiert. Kinder wandern in der Nacht vom 31. Oktober zum ersten November durch die Nachbarschaft und rufen "Süßes oder Saures" in der Hoffnung, ihre Alditüten mit allerhand Leckereien gefüllt zu bekommen. Dazu verkleiden sie sich beispielsweise als Skelett, Hexe oder Kürbis, um den Menschen Angst einzujagen. Es empfiehlt sich daher immer etwas Süßes zuhause zu haben. Auch ich habe soeben eine Tüte mit Brausepulver gefüllter Lollies gekauft, nicht zuletzt im Interesse meines Briefkastens. Dass diese im Grunde eher sauer sind, ist meine Art, subversiv gegen... aber lassen wir das.



Sonntag, 10. Juli 2011

Haben Sie eine DYNAMITE Tag mein Freund!

An dieser Stelle möchte ich mich bei all meinen Leserinnen und Lesern bedanken. Den/das TOASTblog gibt es nun schon fast 6 Jahre und es freut mich immer, wenn Ihr hier die aus meinem Kopf entsprungenen Zeilen lest. Es ist jetzt an der Zeit, endlich auf eure ganzen Kommentare einzugehen, die Ihr mir in der ganzen Zeit geschickt habe. Ohne viel Federlesen möchte ich gerne auf einige antworten. Überraschenderweise war es eine kleine Geschichte, die ich mir im Mai 2009 ausgedacht habe, die für die meiste Rückmeldung sorgte. Danke nochmal euch allen, vielleicht finden sich ja einige wieder:

Vielen Dank für das Schreiben dieses, es war unbelieveable informativ und erzählte mir eine Tonne. (zu Singin' in the Rain am 21.03.2011)
Ich genieße genau, wie Sie Ihr Niveau in ganz erhalten (zu Singin' in the Rain am 04.03.2011)

Vielen Dank. Ich denke, man muss sich immer am letzten Blogeintrag messen lassen. Dass ich ein Niveau habe, das ich sogar halten kann, gefällt mir deshalb ganz besonders. Ich kann nicht sagen, was ich beim Schreiben erreichen will, um ehrlich zu sein weiß ich das nicht genau und denke auch nicht darüber nach. Natürlich hat man einen Leser im Kopf, aber ob ein Text ankommt oder sogar, wie in Ihrem Fall, genossen wird, kann man nicht wissen. Eine Sache, die mir fern liegt ist allerdings, informieren zu wollen. Falls es doch mal dazu kommt, warum nicht. Vielen Dank nochmal, ach was schreib ich, eine Tonne Dank!

Hallo, Neat Post. Es gibt ein Problem mit Ihrer Website in Internet Explorer, würde dies zu testen ... Also noch ist der Marktführer und ein großer Teil der Menschen wird Ihre wunderbare schriftlich wegen dieses Problems vermissen. (zu Singin' in the Rain am 03.05.2011)

Vielen Dank für den Hinweis. Sie haben recht, momentan besuchen mich nur ca. 20% der Leser und Leserinnen mit dem Internet Explorer. Ich werde die von Ihnen angesprochenen Probleme zeitnah beheben. Ich habe mich schon oft gefragt, warum dieser/dieses Blog nur von einem elitären Kreis gelesen wird und so wenige Leute erreicht. Oder wie Sie es treffender ausdrücken, warum ein großer Teil der Menschen meine wunderbare Schriftlichkeit vermisst. Bisher dachte ich immer, ich sei eine Niete im Bereich Suchmaschinenoptimierung. Fühlen Sie sich bedankt.

Wirklich informativ Blogpost hier mein Freund. Ich wollte nur sagen, Kommentieren und halten Sie die Qualität der Arbeit. Ich habe deinen Blog gerade jetzt und bookmarked Ich komme wieder, um in Zukunft mehr mein Freund zu lesen! Auch gut zum Thema Farben geht es gut mit dem Blog in meiner bescheidenen Meinung gewählt:) (zu Singin' in the Rain am 25.02.2011)

Vielen Dank, mein Freund. Es freut mich, in Ihren Bookmarks auftreten zu dürfen und hoffe, die Qualität meiner Arbeit gehalten zu haben, mein Freund. Und danke für das Lob der Farben, da müssen Sie gar nicht so bescheiden sein, sie gefallt mir auch, mein Freund.

Das ist so eine wunderbare nützliche Ressource, die Sie anbieten, und Sie geben es fehlen kostenlos. Ich liebe es Websites, die den Wert der Bereitstellung einer Qualität nützliche Ressource für freie verstehen. Es? S die alte What Comes Around-Programm. (zu Singin' in the Rain am 17.12.2010)

Vielen Dank. Es ist für mich selbstverständlich, meine Inhalte kostenlos anzubieten. Natürlich ist es schön, wenn man mit seinem Blog die Möglichkeit hat, Geld zu verdienen, weshalb ich auch GoogleAds verwende. So kann mich jeder Besucher mit nur einem Klick unterstützen. Ich bin jeden Tag dankbar dafür und kann ohne falsche scheu sagen: Wo Erfolglos bloggen draufsteht, ist auch Erfolglos bloggen drin.

Sie ergänzt einige gute Punkte gibt. Ich habe eine Suche zum Thema und fand die Mehrzahl der Menschen die gleiche Meinung mit Ihrem Blog. (zu Singin' in the Rain am 21.12.2010)

Vielen Dank und Sie sprechen einen guten Punkt an. Natürlich freut es mich, wenn die Mehrzahl der Menschen meine Meinung teilt. Dies ist aber nur mit Vorarbeit möglich. Ich versuche deshalb, mit jedem neuen Blogeintrag möglichst viele Menschen anzusprechen und eine möglichst breite Meinung zu vertreten. Polarisieren oder unbequeme Ausführungen gehören hier nicht hin, schließlich kommen die Menschen freiwillig hier her, auch wenn ich letzteres manchmal gerne ändern würde.

Hallo , lesen jetzt Ihr Arbeit in Deinem Blog und ich genossen genießen Sie Beitrag mit Wissen ! Gongratulation , Good Night und auch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011! Ich entschuldige mich für meine bad Deutsch! (zu Sauber bis in die Haarwinkel am 29.12.2010)

Das wünsche ich Ihnen auch nachträglich. Machen Sie sich keine Sorgen, Ihr Deutsch ist nicht so bad as you think, Gongratulations zurück!

Haben Sie eine DYNAMITE Tag mein Freund! (zu Singin' in the Rain am 13.12.2010)

Dem kann ich mich nur anschließen!




Dienstag, 15. März 2011

Heimatbesuch

"Sag mal, warum hast du heute vormittag Frau Hammerschmidt nicht gegrüßt?" Die Frage überraschte ihn. "Wen?" - "Na Frau Hammerschmidt, deine ehemalige Kindergärtnerin." Im Kindergarten ist er seit 25 Jahren nicht mehr gewesen. Ganz schön lange Zeit, da vergisst man viel. Lang ist es auch her, dass er hier seine Eltern besucht hat. Einige Städte kamen und gingen dazwischen.

"Kenn ich nicht. Wo soll denn das gewesen sein?" Ganz so dumm, wie er da tat, ist er gar nicht. Als er heute morgen durch das Dorf spazierte, sind ihm schon die Blicke der Bewohner aufgefallen. Wer ist das denn? Und wie sieht der denn aus? Schau mal, wie der geht! Was will der hier? Ist das nicht... Am schlimmsten war es bei der Frau mit dem Hut. Kleinkariert, das passt, dachte er da noch und ging etwas schneller.

"Das kann doch nicht sein. Frau Hammerschmidt war doch immer so nett zu dir. Einmal war sie sogar zum Kaffee bei uns." Zum Kaffee... als er daran dachte, wurde ihm unwohl. Bis heute ist ihm der hier übliche, starke, türkisch gebrühte Kaffee ein Graus. Vielleicht ist das der Grund, warum das Dorf vor Jahren einen Herzinfarkt erlitten zu haben schien. Dass er hier fort musste, war eher eine Frage des Frühers als des Späters.

"War das die mit dem komischen Hut?" Die Frage konnte er sich nicht verkneifen, genausowenig wie sie die Antwort. "Weißt du, deine Überheblichkeit kannst du dir wirklich sparen. Du musst hier nicht den Großkotz raushängen lassen, komm mal runter von deinem hohen Ross!"

Diesen Satz hatte er schon oft gehört. Und wieder fragte er sich, wie hoch dieses Ross noch werden muss, damit er endlich weit genug wegreiten kann.



Durch die Heimatstadt zu spazieren, in der man schon lange nicht mehr war, kann schon seltsame Gefühle wecken, insbesondere wenn man Nebraska von Bruce Springsteen im Ohr hat. Nicht viel hat sich geändert, was ich als mal gut, mal schlecht empfand. Schön war es, aber ein Bleiben kann ich mir nicht mehr vorstellen.




Samstag, 18. Dezember 2010

Sauber bis in die Haarwinkel

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Weißt du, ich hab darüber viel nachgedacht. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne mit dir hier herumhänge. Wirklich nicht. Wie lange kennen wir uns jetzt schon? Vier Jahre? Mann, so lange ist das her, seit ich rausgeschmissen wurde…
Egal, es ist einfach notwendig. Schau uns doch mal an, wie lange soll das noch so weitergehen? Ich meine, wir können uns ja trotzdem noch treffen. Vielleicht einmal die Woche…wie wäre es mit Dienstag? Montag kann ich nicht, da kommt hier immer Ware rein und du weißt, was dann los ist. Ich kann ja auch Kaffee mitbringen, obwohl ich den eigentlich auch nicht mehr trinken sollte. Für dich würde ich aber eine Ausnahme machen. Es muss sich halt etwas ändern, ich kann nicht jeden Tag hier sein. Es hat keinen Sinn, hier herumzustehen. Ich habe kein Problem damit, wie die Leute uns ansehen. Ich glaube, die meisten schauen eh durch uns durch. Wann hast du das letzte mal etwas bekommen?
Ich glaube, wir haben viele Fehler gemacht. Damit meine ich nicht, dass wir hier sind und nicht woanders, ich hatte damit ja jahrelang kein Problem. Nein ich denke, das kam viel früher. Irgendwann haben wir uns gesagt, das hätte alles keinen Sinn mehr. Das sehe ich jetzt anders und deshalb krempel ich mein Leben um. Ich versuche es zumindest. Ich erwarte gar nicht, dass du mitmachst, aber falls du Lust hast, kannst du dir das mal durchlesen. Das sind ein paar Texte, die habe ich für dich übersetzt, weil ich weiß, dein Englisch ist nicht das beste. Mir hat es geholfen.



Samstag, 15. Mai 2010

Kringelgedings

Mein neuer Berufswunsch: Designer für Teppiche und Sitzbezüge, die scheinbar so dreckig sind, dass man echte Flecken nicht darauf erkennt.

Ständig gäbe es neue Herausforderungen. Wird zur Zeit in der S-Bahn eher gesprayt oder gekotzt? Wofür wird der Seminarraum genutzt? Sollte sich der Teppich lieber auf Rotwein- oder Spermaflecken einstellen?

Ich frage mich, wie der Designprozess so abläuft und stelle mir ein Labor vor, ganz in weiß, in der Mitte ein Sitzmöbel mit weißem Bezug. Im Nebenraum beobachten drei in wissenschaftlich angehauchten Kittelkostümen durch eine Scheibe, die auf deren Seite durchsichtig, auf der anderen nur als Spiegel zu erkennen ist, das Labor. In dieses wird nun ein stark angetrunkener Mensch mittleren Alters geschoben. Über Lautsprecher verkünden die Beobachter, er solle nun bitte auf das Sitzmöbel kotzen, was dann auch halbwegs gelingt. Das Resultat wird ausgewertet und kann bei strukturellen Mängeln sogar erweitert werden. Vor dem Labor warten jedenfalls noch Junkies, Inkontinente, Siechende und Zeitungsvergesser, die sich langsam fragen, wo sie hier eigentlich hineingeraten sind.

 

(Dieser Text ist am 07.01.2010 während einer Vorlesung entstanden.)




Donnerstag, 27. August 2009

Ach Hans

Ach Hans, mach doch mal was, was man halt so macht. Läufst hier ziellos durch die Stadt und nörgelst rum. Geh doch mal ein Eis essen beim Italiener. Oder kauf dir ne Bratwurst, was weiß ich. Beobachtest hier die Leute und denkst, du freust dich, weil du nicht so bist wie die. Weißt du Hans, die können sich wenigstens freuen. Die gucken sich ne Baustelle an und freuen sich. Wann freust du dich mal? Wenn jemand auf die Schnauze fliegt, gib's zu. Was sagst du dazu? Bist jeden Tag hier und weißt nichts mit dir anzufangen. Denkst daran, mal was wirklich außergewöhnliches zu machen, aber dafür bist du immernoch in deinem War und Wird. Weißte was andere an deiner Stelle machen? Die suchen sich die größte Bahnstation und filmen die Züge dann bei der Abfahrt. Das nennen die dann "Parallelstart Punkt 12 Uhr". Und weißte was? Auch die freuen sich. Da fällt keiner auf die Fresse. Was sagst du dazu, Hans? Nichts sagst du dazu, weil dir nichts dazu einfällt. Nimm deine Depri-Stöpsel aus den Ohren und sag was dazu. Oder lass sie drin, ist eh besser so. Was soll aus dir schon rauskommen? Reicht ja, wenn was reingeht, denkste dir jetzt bestimmt. Das würde zu dir passen. Weißte was? Guck dir doch mal diesen neuen Springbrunnen an. Drängelste dich einfach an den anderen vorbei und gehst drin baden. Das wär verrückt. Und erfrischend obendrein. Und was machst du stattdessen, Hans? Na? Stellst dir vor, da sei eine Stimme in deinem Kopf, die dir alles mögliche verbietet. Ach Hans, mach doch mal was anderes als die anderen.



Montag, 29. Juni 2009

Spiel des Staubes

- Wie sie sehen konnte ich nichts dafür. Ich war sozusagen Opfer der Umstände. Naja und des Klimas natürlich.

- Meinen Sie nicht, sie machen es sich damit ein bisschen zu einfach? Welche Umstände denn? Und das Wetter? Ich weiß selbst, dass es in letzter Zeit ziemlich heiß ist, aber das, was Ihnen passiert ist geht doch gar nicht!

- Ich kann mich nur wiederholen. Der Staubsauger ist kaputt gegangen und dann kam dieses heiße Wetter. Die Zeitungen schrieben “Jahrhunderthitze”. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen aber es war schon sehr warm für die Jahreszeit.

- Ja es war heiß wie in der Wüste. Finden Sie das nicht treffend?

- Ja das trifft es so ziemlich.

- Halten Sie sich für witzig? Ich kann über diesen Blödsinn jedenfalls nicht lachen. Fakt ist, Ihre Nachbarin hat sie gestern halb verdurstet gefunden. Sie sagte uns, sie wollte sich nur ein Ei und etwas Zucker von Ihnen leihen. Wie konnte es soweit kommen?

- Ich weiß nicht, vielleicht hat sie es beim Einkaufen vergessen.

Ich meine nicht den Einkauf, ich meine Ihren Zustand! Wie können sie in Ihrer eigenen Wohnung fast verdursten? Mal abgesehen davon, wie es dort drinnen bei Ihnen aussah!

- Wie ich schon sagte. Mein Staubsauger ging vor einiger Zeit kaputt.

- Ich verstehe das nicht. Warum reden Sie ständig von Ihrem Staubsauger?

- Vor ungefähr zehn Tagen ging er kaputt. Genau zu dieser Zeit fing es an, so warm zu werden.

- Das erklärt noch nicht den Zustand Ihrer Wohnung. Wir haben kaum die Türen aufbekommen!

- Jedenfalls hat sich seitdem der Staub angesammelt. Die Hitze schien dies noch zu verstärken. Ich war wie gelähmt und habe mich dem Spiel des Staubes nicht entziehen können. Können Sie mir folgen?

- Nein, aber machen Sie weiter.

- Als sich immer mehr Staub angesammelt hat, ist mir etwas aufgefallen. Das war gar kein Staub, sondern eher ganz feiner Sand. Leider habe ich das erst erkannt, als es zu spät war.

- Ich verstehe kein Wort.

- Ich verstehe das auch nicht. Auf einmal merkte ich, wie die ganze Wohnung bereits mit einem Film aus feinem Sand überzogen war. Der Sand wurde immer mehr, bis die Zimmer einer Wüstenlandschaft glichen.

- Ich glaube das nicht. Selbst wenn es so gewesen sein sollte, warum sind Sie nicht einfach aus ihrer Wohnung geflohen? Wäre ihre Nachbarin nicht zufällig zur Stelle gewesen, wären Sie jetzt höchstwahrscheinlich tot, ist ihnen das klar?

- Haben Sie schon einmal versucht, aus der Wüste zu fliehen? Können Sie sich vorstellen, wie schwer das ist? Und dann noch diese unerträgliche Hitze? Alles hat vor meinen Augen geflimmert! Ich habe es kaum bis zur Haustür geschafft. Waren Sie schon mal 10 Tage in der Wüste? Waren Sie schon mal 10 Tage in der Wüste und haben versucht, zum Horizont zu gelangen?

- Nein. Das war ich noch nicht. Beruhigen Sie sich bitte, ich bin jetzt fertig mit dem Gespräch.

- Warten sie, ich habe noch eine Frage.

- Bitte?

- Wenn wir jetzt fertig sind, könnte ich meine Nachbarin anrufen? Ich bin mir sicher, dass ich noch Eier und Zucker in der Küche habe.

- Nun, leider geht jetzt nicht. Ich werde ihr jedoch eine Nachricht zukommen lassen. Sie kann Sie dann in der regulären Besuchszeit sehen. Bitte folgen sie mir nun in Ihre Einrichtung.




Dienstag, 19. Mai 2009

Singin' in the Rain

Eines müsst ihr wissen, er wurde nicht gerade auf der Sonnenseite geboren, nein, vielmehr auf der - lasst mich das so sagen - Regenseite. Als kleiner Knirps hatte er es nicht leicht. Damals sah er die Sonne nur, wenn er aus dem Fenster schaute und das passierte nicht so häufig. Er kam nicht oft raus, höchstens mal am Abend oder am frühen Morgen. Weil seine Eltern sehr besorgt um sich waren, nahmen sie ihn überall hin mit. So konnte er schon als er noch so jung war von sich behaupten, weit herum gekommen zu sein. Und lasst mich das so sagen, er hat die Welt gesehen. Vor allem London gefiel ihm, er war dort wirklich überall. Leider sollte sein Glück dort auch bleiben. Der Flug zurück war der reinste Horror für unseren Kleinen. Eingequetscht zwischen den anderen wurde es enger und enger und als das Flugzeug dann auch noch durch ein Luftloch flog, passierte das denkbar ungünstigste. Er brach sich ein Gelenk. Nun muss ich euch sagen, dass die Eltern das damals nicht mitbekommen konnten. Zuhause angekommen stellten sie ihn in sein Zimmer und bemerkten erst Tage später den Bruch. Das war jetzt quasi so eine Wende in seinem Leben. So wie man das immer hört, nachdem das und das passierte, war ich nicht mehr der selbe und so. Lasst mich einen kleinen Sprung machen und sagen, das stimmt. Er ist heute wirklich nicht mehr der selbe und ich kann euch sagen, seid unbesorgt, es geht ihm prächtig, er befindet sich sozusagen auf der Sonnenseite des Lebens. Und gekommen ist das so: Nachdem er verarztet wurde, musste er erstmal in seinem fensterlosen Zimmer bleiben. Ein halbes Jahr verging und er fragte sich, ob seine Eltern überhaupt noch da waren. Die Frage war berechtigt, denn das waren sie nicht. Eines Tages ging die Tür auf und vor ihm standen drei Personen. Eigentlich sah er nur eine, dafür aber umso besser. Es war ein Mädchen in seinem Alter und er verliebte sich unsterblich. Irgendetwas muss da jedenfalls gefunkt haben, denn das Mädchen nahm ihn mit nach draußen, wo die Sonne so hell war, dass es weh tat. Ihr müsst wissen, dass das eine ganz normale Reaktion ist. Ein halbes Jahr im Keller ohne Licht und dann auf einmal … ihr könnt euch das sicherlich vorstellen, obwohl ich natürlich hoffe, dass ihr sowas noch nicht erleben musstet. Jedenfalls waren das Mädchen und der Knirps unzertrennlich. Wann immer sie seitdem in die Sonne geht, nimmt sie ihn mit, spannt ihn auf und singt dabei dieses Lied von Frank Sinatra.



Dienstag, 5. Mai 2009

Wie eines Tages ein Storch durch mein Fenster flog

Neulich flog mir ein Storch durchs Fenster. Überrascht fragte ich mich, was er hier wolle. Statt eines Kinderbeutels hatte er ein gebrochenes Bein, sprich: Bruchlandung. Was macht man nun mit einem gebrochenen Storch? Stabilisieren und hinstellen? Meine Wohnung ist so flach, da kann der gar nicht stehen. Er müsste quasi im Sturzflug durchs Fenster gerammelt sein. Wer macht denn sowas? Egal, ich musste handeln, hab schließlich noch nie einen Vogel in meinem Wohnzimmer verenden lassen. Schritt 1: Atmung checken. Atmung ist in Ordnung. Schritt 2: Helm abnehmen. Das war einfach, da der Storch unverantworlicher Weise nie mit Helm flog. Da kann man jetzt denken: Das hat er nun davon, aber Mensch, das ist ein Vogel. Der hat doch gar kein Sicherheitsbewusstsein. Schritt 3: Stabile Seitenlage. Ich gebe zu, das war der schwierigste Teil. Schreibt man jemanden zu, er habe Storchenbeine, ist das kein Kompliment. Stichwort Stelzen. Nun wurde der Vergleich zur Realität. Ihr könnt mir glauben, das war nicht einfach. So ein Storchenbein hat auch mindestens ein Storchenknie. Und wie herum sich das beugen kann war in dem Fall "Trial and Error", also mehr Probieren als Studieren. Die Sache mit Arm hinter den Rücken musste ich wegen Geflügel überspringen. Zuletzt legte ich den Storchenkopf auf seine Schulter. EIgentlich müsste ich man statt Kopf Storchenschnabel sagen, schließlich ist der ja um ein Vielfaches größer. Ich dachte fast Schrumpelkopf mit Flüstertüte. Ich fragte mich, was ich noch tun könnte und erinnerte mich an meinen Erste-Hilfe-Kurs vor X Jahren. Hatte ich etwas vergessen oder konnte ich endlich 112 wählen? Nicht, dass ich mir vorwerfen muss, nicht genug lebensrettende Sofortmaßnahmen getätigt zu haben. Schritt 1, 2, 3 … waren das nicht alle guten Dinge? Also weiter gings mit dem Notarzt und ich muss wirklich hervorheben, wie schnell die kamen. Genauso, wie man sich das vorstellt, mit Blaulich und allem. Und so schnell waren sie auch wieder weg, genauso wie man sich das vorstellt, mit Blaulicht und allem. Guten Gewissens ging ich ins Bett. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war mir schweinekalt. Klar beim kaputten Fenster. Ich rief die Handwerker und nach drei Tagen standen zwei Vögel vor meiner Tür, genauso wie man sich das immer vorstellt…




Dienstag, 3. März 2009

Arbeitskleidung für Schneemänner

Was macht eigentlich der Schneemann, wenn es nicht gerade kalt ist? Ich sehe ihn im Winter fast jeden Tag auf dem Rummelplatz stehen. Nicht, weil gerade Rummel ist - vielleicht würde er sich das wünschen - nein, weil er dort Weihnachtsbäume verkauft. Durch seine imposante Größe soll er dort jedes Jahr Kunden anlocken. Groß und weiß, das sind seine Qualifikationen. Selbst die passende Kleidung hatte er schon: einen schwarzen Zylinder und einen roten Schal war Pflicht in diesem Job. Seine Arbeit gefiel ihm und er füllte sie pflichtbewusst aus, doch irgendetwas fehlte. Von Zeit zu Zeit stellte er sich die Frage, ob ob er der einzige Schneemann hier sei. Er ist noch nicht viel herumgekommen und lesen hat er auch nie gelernt, aber könnte das sein? Der einzige seiner Art? Eines Abends sah er etwas in der Ferne. Klein und weiß, wie eine Miniaturausgabe von ihm. Er rannte voller Erwartung in den Hinterhof, wo er es zuerst gesehen hat, doch was er da sah, spottete jeder Beschreibung. Der Zylinder war nur ein umgedrehter Kochtopf - das muss man sich mal vorstellen. Und als er das Gesicht berührte, stellte er fest, dass die Nase nur eine alte Möhre (!) war. Voller enttäuschung wandte er sich ab. So kann das nicht weitergehen, dachte er. Diese Ungewissheit! Irgendwo muss es doch noch echte Schneemänner wie ihm geben. Höchstwahrscheinlich am Nordpol, weil es da kalt ist. Oder doch eher am Südpol? Er kannte den Unterschied nicht und beführchtete, die Reise dahin wäre zu anstrengend. Und wie sollte er dort auch überleben? Er würde dort allen Vorurteilen gegenüber Schneemännern nicht überleben können, da es dort einfach viel zu kalt ist und einfrieren würde. Die Jahre vergingen und es scheint, als hätter der Schneemann resigniert. Seine Arbeit verrichtet er immernoch jedes Jahr gewissenhaft, aber als ich ihn das letzte mal sah, kahm es mir so vor, als wäre er etwas kleiner geworden. Hoffentlich ist er auch dieses Jahr im Winter wieder auf dem Rummelplatz. Vielleicht frage ich ihn dann, was er im restlichen Jahr so gemacht hat.